Löwenwaagen

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Als Löwenwaagen werden Münzwaagen oder Münzgewichtskästen bezeichnet, bei denen eine Waagsäule zur Aufhängung der Waage vorhanden ist und ein Löwe als Zuggewicht zur Anhebung des Waagbalkens dient. Dieser Löwe (meist aus Messing gegossen und verziert) ist über eine Schnur und eine Wippe mit dem Waagbalken verbunden. Zieht man an dem Löwen, wird der Waagbalken angehoben und die Waagschalen liegen nicht mehr auf dem Holzkasten auf, sondern gehen in den hängenden Zustand über, der eine Funktion als Waage erst ermöglicht. Lässt man den Löwen wieder nach hinten gleiten, so senkt sich die Waage ab und der Wägevorgang wird beendet. Vorteil: Durch schnelles Anheben und Absenken des Waagbalkens wird der Wägevorgang stark beschleunigt. Es können also mehr Münzen in einem Zeitraum abgewogen werden. Die Löwenwaagen waren also besonders geeignet für Geldwechsler und andere Leute, die viele Münzen wiegen mussten.

Oft wird der Löwe als "Gegengewicht" angesehen. Das ist falsch.

Der Löwe ist zu leicht, um den recht schweren Waagbalken nur durch sein Eigengewicht festzuhalten, zumal die Holzoberfläche der Kästen sehr glatt ist. Er dient quasi nur als griffiges Ende der Zugschnur. Lässt die Hand den Löwen los, rutscht dieser zur Waagsäule und der Waagbalken senkt sich, bis die Waagschalen auf dem Holz des Kastens aufliegen.


Herstellung

Löwenwaagen sind aus dem 18. und 19. Jahrhundert bekannt. Die frühesten Stücke entstanden wohl um oder kurz vor der Mitte des 18. Jahrhunderts, die letzten um 1820. Es sind Exemplare aus Nürnberg (Sigler, Kolb, Mayer) erhalten (die Nürnberger Waagmacher gelten als die Erfinder der Löwenwaage), aber auch aus Belgien (Courseul). Ob die Löwen in Nürnberg von den Waagmachern selbst hergestellt wurden, oder ob selbige zugekauft wurden, ist nicht belegbar. Mit dem beginnenden 19. Jahrhundert gerieten die Löwen als Zugfiguren aus der Mode. Sie wurden durch andere mechanische Hebevorrichtungen ersetzt, die einen Drehknopf besaßen, der die Schnur beim Drehen aufwickelte und so den Waagbalken anhob. Auch Systeme mit einem seitlichen Schieber sind bekannt, der ebenfalls die Schnur zur Wippe mit dem Waagbalken spannte oder lockerte. Diese Konstruktionen werden aber nicht mehr als Löwenwaagen bezeichnet. Auch sind keine anderen Figuren bekannt, die die gleiche Funktion wie die Löwen hatten. Sind bei Zugwaagen andere Figuren als Löwen vorhanden, kann häufig von Ergänzungen ausgegangen werden. Bei späten Exemlaren nach etwa 1820 sind scheibenartige Zuggewichte bekannt.


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Das obenstehende Bild zeigt eine große Münzwaage von Andreas Bankel aus der Biedermeierzeit, um 1820. Derartige Waagen kann man als die Nachfolger der Löwenwaagen bezeichen. Die Waage wird wie bei den Löwenwaagen an einer Säule aufgehängt und ist mit einer Schnur über eine Wippe an einem drehbaren Knauf befestigt, der an einen Schlüssel erinnert. Durch Drehen des Knaufs kann die Waage angehoben oder abgesenkt werden, was ein schnelles Abwiegen der Münzen ermöglicht. Der Löwe wird in seiner Funktion durch den Drehknopf ersetzt.


Einzelnachweise